Bernhard Peter
Kasten in der indischen Gesellschaft, Teil 1:
Die traditionelle frühe indische Dorfgesellschaft

 

Kernstruktur der indischen Dorfgesellschaft ist das Jajmani-System einer dominanten Bauernschicht mitsamt funktional inkorporierten dörflichen Dienstleistern. Tragende und dominante Gesellschaftsschicht sind die Viehzüchter und Grundbesitzer sowie alle mit diesen verflochtenen Dienstleister im Dorf, mit denen der wechselseitige Austausch von Leistung, Arbeit und Waren auf gleicher Ebene stattfindet. Stabiles und tragendes Element der dörflichen Gemeinschaft ist die unauflösbare kulturelle, soziale und wirtschaftliche Verflechtung ihrer Mitglieder. Diese Kerngesellschaft lebt aber nicht isoliert, sondert kommuniziert mit verschiedenen Außenbereichen. Für die Regelung der wechselseitigen Beziehungen zu diesen Außenbereichen sind drei weitere spezialisierte Personengruppen zuständig, die zwar außerhalb der eigentlichen Dorfstruktur stehen, aber für das Überleben derselben unerläßlich sind, weil sie den Bestand derselben garantieren:

Genauso gibt es am anderen Ende der Skala Bedrohungen für die Stabilität. Und wenn schon mit den stabilisierenden Gruppen keine Integration angestrebt wird, dann erst recht nicht mit möglicherweise destabilisierenden Gruppen. Am unteren Ende der Gesellschaftsskala befinden sich Gruppen, die wirtschaftlich verwundbar sind:

Allen genannten Gruppen gemeinsam ist, daß sie aufgrund ihrer wirtschaftlichen Verwundbarkeit keine Integration in die sich auf diese Weise selbst stabilisierende Dorfgemeinschaft erfahren, im Gegenteil, selbige zeigt sich wehrhaft gegen Auflösungstendenzen am unteren Rand und marginalisiert bzw. degradiert diese wirtschaftlich unsicheren Elemente kulturell und sozial.

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© Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2005
Autor: Bernhard Peter, Im Schenkelsberg 8, 56076 Koblenz
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