Bernhard Peter
Kasten in der indischen Gesellschaft, Teil 7:
Reinheit als ordnendes Element der Gesellschaft

 

Bestimmend für die soziale Hierarchie ist das Maß an Reinheit im Leben eines Menschen bzw. einer Gruppe. Was ist Reinheit? Das menschliche Gemeinwesen orientiert sich am Verhaltenskodex der Elite, der Brahmanen. Wer sich an diesen Verhaltenskodex hält, lebt rein, wer dagegen verstößt, lebt unrein.

Verstöße gegen diesen Verhaltenskodex könnten sein:

Dazu kommen uralte Tabus. Es sind Tabus, die sich in vielen Kulturen wiederfinden. Im mittelalterlichen Europa war der Henker "unehrlich" und mußte draußen vor den Stadtmauern wohnen. In islamischen Kulturen verliert man seine Sauberkeit durch Kontakt mit fremdem Blut oder Fäkalien. In der hinduistisch-indischen Gesellschaft sind solche Tabus z. B.:

Die Ausübung der genannten Berufe macht einen Menschen "unrein". Deshalb werden solche Berufe nur von solchen Jatis ausgeübt, die gesellschaftlich so tief stehen, daß es wiederum zu ihnen paßt.

Nun lassen sich die Vorgänge nicht isoliert betrachten: Das System ist stabil. Die Anforderungen an die Reinheit richten sich nach der Kaste. Selbstverständlich gelten für Brahmanen andere Maßstäbe als für Sudras. Jede Kaste handelt gemäß der von ihr erwarteten Reinheit bzw. Unreinheit. Jeder handelt also gemäß den Regeln, die für seine Kaste gelten. Weil diese Regeln für eine bestimmte Kaste gelten, hat dann die betreffende Kaste ein zu diesem Reinheitsgrad passenden gesellschaftlichen Status. Insgesamt stabilisiert sich das System wiederum selbst, denn Reinheit, Macht, Status, Einkommen, Prestige einer Jati korrelieren.

Nächster Teil zu Kasten in der Gesellschaft
Andere Essays über Indien lesen
Andere Länderessays lesen
Home

© Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2005
Impressum
Bestandteil von
www.kultur-in-asien.de und www.bernhardpeter.de